November 2014, ,

Literatur: Schwäbisch – reloaded

Leo von Stieglitz

Hubert Klausmann: Schwäbisch, 2014

Reloaded ? Von schwäbischer Literatur wird der interessierte Mann und die interessierte Frau in den letzten Jahren geradezu überflutet, von Lexika über Witzbücher zum Internet ist schier alles auf schwäbisch zu haben. Was aber lange Zeit zu kurz kam war die wissenschaftliche Beschäftigung mit dem schwäbischen Dialekt. Seit kurzem hat sich das grundlegend geändert: Mit dem im September 2014 erschienen Buch “Schwäbisch – Eine süddeutsche Sprachlandschaft” von Hubert Klausmann ist zum ersten mal eine allgemeine Einführung in die schwäbische Mundart erschienen, die zudem nicht nur für Dialektforscher gedacht ist.

Hubert Klausmann ist seit kurzem Leiter der Tübinger Arbeitsstelle für Sprache in Südwestdeutschland und trat damit die Nachfolge von Arno Ruoff an, der bis 1995 die Forschungsstelle am Ludwig-Uhland-Institut für Empirische Kulturwissenschaft leitete. Seit der Pensionierung des Mitarbeiters Eckart Frahm im Jahr 2006 war die Stelle nur noch ehrenamtlich besetzt. Diese lange “Vakanz” bedeutet allerdings nicht, dass in den letzten Jahren am Ludwig-Uhland-Institut nichts unternommen wurde – Im Gegenteil – es ist versucht worden die Sprach- und Kulturwissenschaft zu verknüpfen. “Dialekt und regionale Kulturforschung“, hieß das 2006 veranstaltete Symposion. 2009 bis 2013 wurde unter der Leitung von Hubert Klausmann  das Projekt “Sprachalltag in Nord Baden-Württemberg” unternommen, das nicht nur eine Lücke im regionalen Sprachatlas schließen konnte sondern auch kulturwissenschaftliche Zugänge bot. Die Tagung und der Tagungsband mit dem Titel “Sprachkultur – Regionalkultur. Neue Felder kulturwissenschaftlicher Forschung.” spricht programmatisch für sich. Zuletzt, im Oktober 2014, fand eine Tagung mit dem Titel “Dialekt und Öffentlichkeit” statt, bei der die verschiedenen Zugänge der modernen Dialektforschung diskutiert wurden.

All diese Vorarbeiten mündeten nun in “Schwäbisch – Eine süddeutsche Sprachlandschaft”. Eine Rezension wird Kompetenteren überlassen, nur zwei Beispiele sollen den Inhalt etwas vorstellen, dialektologisch und kulturell:  Das Adjektiv “unser” wird im Raum Stuttgart nur “leicht” schwäbisch ausgesprochen, während im Umland noch die alte Sprechweise (noch) überwiegt. Und: die traditionelle Bezeichnung für den Dienstag war in Ostwürttemberg der Aftermontag. Warum ? Hier ist das katholische Gebiet des ehemaligen Bistums Augsburg und “Dienstag” bezog sich auf den germanischen Gott “Tiu”, eine Bezeichnung, die offiziell nicht geduldet wurde.

Kurzum: Pflichtlektüre für Alle, die sich mit “Schwäbisch” beschäftigen, in welcher Form auch immer.

unser     Dienstagk

 

 

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