September 2015, ,

“Hinter schwedischen Gardinen” – Wohnen und materielle Kultur im Strafvollzug

Susanne Schwarzer

Hinter schwedischen Gardinen

JVA Wuppertal-Ronsdorf, Einzelzelle. https//commons.wikimedia.org

 

Wer erinnert sich noch daran, dass  der ehemalige FC Bayern Präsident Uli Hoeness seit Juni 2014 im Gefängnis sitzt ?  Inzwischen ist er “Freigänger” und in die Arbeit des FC Bayern wieder integriert. Was heute nur noch ein Randthema der Presse ist, war noch vor wenigen Monaten Thema unzähliger Schlagzeilen: Wie ist das, wenn ein mehrfacher Millionär in eine Gefängniszelle muss?   Bekommt Herr Hoeness irgendwelche Vergünstigungen? Anlass für Susanne Schwarzer einen hoch interessanten Blick  hinter die “schwedischen Gardinen” zu werfen:  Wie sehen Gefängniszellen wirklich aus? Wie dürfen “normale” Gefängnisinsassen ihre Zellen selbst gestalten?

Am 12.03.2014 fiel das Gerichtsurteil gegen den ehemaligen Manager des FC Bayern-München Uli Hoeneß: dreieinhalb Jahre wegen Steuerhinterziehung. Spätestens seit diesem Tag überschlugen sich die Medien mit Berichterstattungen, Spekulationen und vermeintlichen Enthüllungen um die bevorstehende Haftstrafe in der Justizvollzugsanstalt Landsberg am Lech. Auch nach Hoeneß` Haftantritt rissen die Meldungen nicht ab. Jeder mehr oder weniger interessierte Leser oder Zuschauer konnte erfahren, wie sich das Leben des prominenten Häftlings fortan jenseits der Gefängnismauern gestalten würde. Besonders der Gefängnisalltag und die Haftbedingungen standen dabei im Fokus, stets begleitet vom Argwohn möglichen Sonderbehandlungen gegenüber.

Folgendes Beispiel aus der tz-online vom 15.10.2014 zeigt zwei inhaltliche Hauptstränge der Berichterstattung im Fall Hoeneß:

„Die Zelle ist etwa 32 Quadratmeter groß, es gibt warmes Wasser, verstellbare Betten „und Fernsehen rund um die Uhr. Im Raum steht ein 21 Zoll großer Flachbild-Monitor. Aber es ist  ein Billig-Fabrikat“, sagt F. Auf der Krankenstation haben Häftlinge ein angenehmes Leben. „Die Betten haben Plastiküberzug und eine richtige Matratze.“ Die Toilette ist in einem separaten Raum, Hoeneß hat also sein eigenes WC. „Das gibt es in normalen Vier-Mann-Zellen nicht. Dort ist eine Kabine mit im Raum eingebaut.“ Hoeneß ist vollkommen abgeschottet von normalen Häftlingen …

Susanne Schwarzer

Seit 2013 Masterstudentin der Europäischen Ethnologie an der Albert-Ludwigs-Universität Freiburg. Im selben Jahr Erwerb des Bachelor in Europäischer Ethnologie und Kunstgeschichte. Die Bachelorarbeit trägt den Titel "Zwischen Tourismus und Anbetung. Die Wahrnehmung des Freiburger Münsters im Spiegel seiner Fürbittbücher". Die Studien- und Interessenschwerpunkte sind religiöse Volkskunde/Frömmigkeitsforschung, materielle Kultur und Arbeitskultur.

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