Seit März 2020 ist unser Alltag vom Corona-Virus geprägt. Seither wurden unzählige neue Strategien, Dinge und Wissensbestände entwickelt, um mit den gesundheitlichen, sozialen und wirtschaftlichen Folgen des Virus umzugehen. Diese materiellen Zeugnisse, Denk- und Handlungskonzepte sind klar kulturell geprägt. Sie stellen deutlich heraus, was in unserer Gesellschaft als „systemrelevant“ oder verzichtbar bewertet wird. Die Mitglieder des Forum Alltagskultur haben in ihren Instituten Sammlungen, Forschungen und Beobachtungen zum Alltag in der Pandemie und dem Virus als Verstärker kultureller und sozialer Muster gemacht. Wir stellen die vielfältigen Ergebnisse hier vor.

Corona-Sammlung des Badischen Landesmuseums, Karlsruhe

Desinfektionsmittel? Normalerweise nichts für die Sammlung eines kulturhistorischen Museums, sollte man meinen. Doch die Corona-Pandemie änderte das.

Das volkskundliche Fachreferat, das die Gegenwart schon lange im Blick hat, startete am 15. März eine Corona-Sammlung. Desinfektionsmittel wurde dabei zu einem großen Thema, denn bereits zu Beginn der Krise war es zur Mangelware geworden – in Privathaushalten, aber viel schlimmer noch, auch in Krankenhäusern und Arztpraxen. Viele Alkoholproduzenten (Brauereien, Winzer und Sprituosenfabriken) zweigten daher in vermehrten Mengen Basisalkohol aus ihren Produktionen zur Herstellung von Desinfektionsmitteln ab. Als historische Zeugnisse dieser ‚Notproduktion‘ gelangten von der Staatsbrauerei Rothaus, der Schnapsfabrik Schladerer und der Winzergenossenschaft Alde Gott Vorprodukte und Abfüllungen in die Corona-Sammlung. Hier sollte das Thema Handhygiene nun – neben der Maske als Schlüsselbild der Krise – eine besondere Repräsentanz erlangen.

© Badisches Landesmuseum

© Landesmuseum Württemberg

„Wie verändert sich Alltag in der Corona-Krise?“ Online-Sammlung des Museums der Alltagskultur, Waldenbuch (Landesmuseum Württemberg)

Das Museum der Alltagskultur nimmt diese Frage zum Anlass und lädt die Besucher*innen ein, die Ausstellungen mit ihren Eindrücken aus der Corona-Krise zu bereichern.

Das Museum zeigt ausgewählte Objekte und Geschichten aus dem Online-Projekt „Corona-Alltag. Dein Objekt für Übermorgen”. Sie machen die vielfältigen Veränderungen des Alltags, die das Coronavirus mit sich gebracht hat, sowie Dinge, die den Alltag in dieser Zeit erleichtert oder geprägt haben, sichtbar.

Bei einem Rundgang durch das Museum können die Besucher*innen persönliche Eindrücke, Fragen, Kommentare und Ideen für die Zukunft auf Notizzettel schreiben und die Ausstellungsinhalte damit erweitern.

Beitrag in der Zeitschrift „Pop“ von Michael Fischer, Direktor des Zentrums für Populäre Kultur und Musik der Universität Freiburg – „Wichsen und Musik sind die beste Medizin“ (Die Ärzte) Corona-Songs im Frühjahr 2020

Jede Krankheit hat nicht nur eine medizinische Dimension, sondern auch eine kulturelle. Dies gilt in besonderer Weise für Epidemien und Pandemien, die in Deutschland lange Zeit als „Seuchen“ bezeichnet wurden. Die Menschen müssen mit den Krankheiten umgehen und entwickeln nicht nur medizinische Verhaltensstrategien, Medikamente und Impfstoffe, sondern auch kulturelle Symbole, welche die Krankheiten deuten, in das bestehende Weltbild einpassen oder Sinn, Trost und Hoffnung geben wollen. Dazu gehört auch die Musik, die über die Massenmedien ein breites Publikum erreicht und so am Diskurs über Krankheiten und an ihrer gesellschaftlichen Bewertung mitwirkt. Der Beitrag von Michael Fischer (Freiburg im Breisgau) untersucht anhand von „Corona-Songs“, welche Antworten die deutschsprachige Popmusik auf diese Herausforderung gibt

© https://www.musikexpress.de/die-aerzte-veroeffentlichen-neuen-song-ein-lied-fuer-jetzt-1501407/

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„Alltag in der Krise“ – Ein Blog zur Corona-Pandemie vom Institut für Kulturanthropologie und Europäische Ethnologie der Universität Freiburg

Dieser Blog versammelt Reflexionen, Erfahrungen und Gedanken aus dem Alltagsleben in der Corona-Pandemie. Geschrieben wurden die Beitrage von Kulturwissenschaftler*innen aus vielen Instituten des Fachs, vor allem aber aus dem Institut für Kulturanthropologie und Europäische Ethnologie der Universität Freiburg und von hier aus wurde der Blog auch redaktionell bearbeitet.

„Corona Corners“ des Ludwig-Uhland-Instituts

Die Pandemie hat unseren (universitären) Alltag mit den gewohnten Routinen und Arbeitsumgebungen ordentlich durcheinander gebracht.
Im LUI-Newsletter vom Juni 2020 sind verschiedene Vignetten aus diesem veränderten Alltag mit Bild und Text eingestreut.

© Ludwig-Uhland-Institut

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