„Badische Landestrachten“ – Kritische Quellenedition, bearbeitet von Brigitte Heck

 

Das Dirndl auf dem Oktoberfest wie auch das Schwarzwaldmädel mit markantem Bollenhut sind als Eventmotiv und Werbeikone in breiten Bevölkerungskreisen bekannt und populär. Sie scheinen als historisch identifizierbare Symbole für „Heimat“, „Ursprünglichkeit“ und Nachhaltigkeit gesetzt zu sein. Will man verstehen, wie sich solche Emblematisierungen herausbilden konnten und wie insbesondere die Bollenhuttracht neben Kuckucksuhr und Kirschwasser zum Markenkern des Badischen wurde, muss man 150 Jahre zurückblicken.
Das Werk des Karlsruher Malers Rudolf Gleichauf rückte in den 1860er Jahren die als Trachten bezeichneten Bekleidungsmoden ländlicher Bevölkerungskreise in den Fokus staatlichen Interesses. Von 1861 bis 1869 fertigte er im Auftrag des badischen Großherzogs 39 Aquarelle sowie ausführliche Beschreibungen an, die Einblicke in eine vermeintlich geschlossene bäuerliche Kultur als „bedrohter Lebensart“ boten. Mit dem Bild der Tracht wurde ein visuelles Symbol geschaffen, das eine bürgerliche Sehnsucht nach Kontinuität, Stabilität und Identität erfüllte und eine sich verstetigende Tradition stiften sollte.
Aus heutiger Sicht stellt Rudolf Gleichaufs Arbeit eine für die Historiografie des Großherzogtums Baden außergewöhnliche kulturgeschichtliche Quelle dar und 150 Jahre nach Fertigstellung der Auftragsarbeit füllt diese kritische Quellenedition auch eine große kostümhistorische Lücke.

Kontakt:

Brigitte Heck

Referat Volkskunde
Badisches Landesmuseum Karlsruhe
T +49 (0)721 926-6528

brigitte.heck@landesmuseum.de

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