Invisible touch.

Zu den Wissenspotentialen einer Blechdosensammlung

 Wie geht ein kulturhistorisches Museum mit einer solchen   (An-)Sammlung um? Welches Wissen transportieren die   Objekte?

In einem ersten Schritt werden die Blechdosen in Besitz genommen und beschreibend erfasst: sie werden inventarisiert. Das heißt sie zu vermessen,  Material und Produktionstechnik zu bestimmen, die Dosen fotografisch zu dokumentieren, zu beschreiben, sie zu datieren und alle Informationen in der Museumsdatenbank unter einer Inventarnummer abzuspeichern. Ebenso wichtig ist inzwischen aber auch die Frage nach Provenienz und Akquisition, also die Frage nach Besitz, Herkunft, Handel und Vertrieb der Dosen. Da Produktverpackungen jedoch im weitesten Sinn auch Kultur-Träger sind, ist in einem zweiten Schritt die Erforschung kulturgeschichtlicher Kontexte relevant. Denn an den verschiedenen Blechdosen lassen sich die Entwicklung von Globalisierung, Produktionsmethoden, Konstruktionen von Stereotypen, Exotismus und Rassismus erkennen. Im Folgenden wird eine kleine Auswahl an   Blechdosen aus dieser Sammlung vorgestellt.

Invisible Touch

Kontakt: 

Nicolas Dittgen
Wissenschaftlicher Volontär
Volkskunde

Badisches Landesmuseum
Schloss Karlsruhe
Schlossbezirk 10, 76131 Karlsruhe
T +49 (0)721 926 6922
F +49 (0)721 926 6537
Nicolas.Dittgen@landesmuseum.de
www.landesmuseum.de

Die Sammlung von Marie-Luise Lankheit (1925-2019) besteht aus 331 Blechdosen verschiedener Art. Diese entstammen nicht dem eigenen Gebrauch, sondern wurden von ihr als kunstaffine Persönlichkeit über vier Jahrzehnte hinweg im Kunsthandel zusammengetragen und als Sammlung an das Badische Landesmuseum Karlsruhe abgegeben. Ein Großteil dieser Dosen war ursprünglich für die Aufbewahrung von Tee oder Kaffee bestimmt, aber auch Blechdosen für Babypuder oder Nähnadeln sind in der Sammlung zu finden. Die Blechdosensammlung wurde systematisch und sehr sachkundig seit den 1970er Jahren angelegt. Quellen waren hierfür Flohmarktkäufe, Auktionen, Antiquitätenmessen, Reisesouvenirs, der Tausch mit anderen Sammler*innen sowie Geschenke ihres Mannes, wie vereinzelte Notizzettel in den Dosen verraten. Die Sammlerin war mit der Fachliteratur im Bereich Werbegrafik vertraut und sammelte teilweise enzyklopädisch nach Marken, sie erwarb also auch mehrere Varianten eines Entwurfs.

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