„Die Arbeit der Mitarbeitenden des Ordnungsamts ist es, abweichendes Verhalten unterhalb der Schwelle zum strafbaren Verhalten zu ahnden, da es ansonsten langfristig zu schwereren Straftaten käme.“ 1

Anne-Sophie Schneeberger:

Strafen oder Aufklären?

Mitarbeiter*innen des Ordnungsamts zwischen
Prävention, Ermessensspielraum und Reaktionen der Bevölkerung

Das Ordnungsamt ist für die Gewährleistung von Ordnung verantwortlich. Aber was heißt das genau? Welche Funktion hat die Arbeit der Mitarbeitenden der Ordnungsämter im Außendienst? Und welche Reaktionen gibt es auf ihre Arbeit? Um diesen Fragen auf den Grund zu gehen, habe ich zwei Reportagen über Mitarbeitende von Ordnungsämtern mit Hilfe einer Medienanalyse untersucht. Ein zentraler Aspekt ist die mediale Darstellung des präventiven Charakters der Arbeit der Mitarbeitenden des Ordnungsamts, welcher in Zusammenhang mit dem Thema Strafe steht. Dieser präventive Charakter der Arbeit ist der zentrale Grundsatz für die Aufgabe,Verstöße zu ahnden oder auch über Verstöße aufzuklären, um ein Bewusstsein für Regeln und Normen und deren Einhaltung in der Bevölkerung zu schaffen. Das präventive Vorgehen soll dafür sorgen, dass es bei diesen Verstößen bleibt, die rechtlich unter der Schwelle zum strafbaren Verhalten liegen, und es zu keinen echten Straftaten in Zukunft kommt. Somit strafen die Mitarbeitenden rechtlich nicht, sondern ahnden. Trotzdem kommt ihnen in der Prävention von Straftaten eine Funktion zu, was von der Bevölkerung meist anders wahrgenommen wird. Doch nicht jeder Verstoß muss auch geahndet werden. Inwiefern gibt es für die Mitarbeiter*innen die Möglichkeit zu Kulanz bei der Ahndung und in welchem Zusammenhang stehen die meist negativen Reaktionen aus der Bevölkerung zu ihrer Arbeit? Diese Fragen behandle ich, gleichermaßen mit den eingangs gestellten Fragen und dem Aspekt des präventiven Charakters der Mitarbeitenden des Ordnungsamts, in meiner Forschung.

1 Schneeberger, Anne-Sophie: Strafen oder Aufklären? Mitarbeiter*innen des Ordnungsamts zwischen Prävention, Ermessensspielraum und Reaktionen der Bevölkerung. In: Sieferle, Barbara (Hg.): Strafen. Kulturanthropologische Perspektiven (= Freiburger Studien zur Kulturanthropologie, 5). Münster 2021, S.60-70, S.64.

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