Unerhörte Aufnahmen

Hörbeispiele zur auditiven Ethnografie der Detmolder Arbeitstagung der Deutschen Gesellschaft für Volkskunde 1969

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Was war da los mit den Volkskundler*innen in Detmold 1969? Krach, Streit oder gar Revolution? Auf dieser Seite sind 13 Ausschnitte der Tonbandaufnahmen zur Detmolder Arbeitstagung der Deutschen Gesellschaft für Volkskunde aus dem Jahr 1969 zu hören. Sie vermitteln Eindrücke von den lauteren und leiseren Tönen während der Vorträge und Diskussionen um das damalige Thema „Dokumentation und Wirklichkeit“, das eng an Debatten um eine Neuausrichtung des Faches geknüpft war. Aufgenommen wurden die Diskussionen und Vorträge am ersten Tag der Arbeitstagung, dem 23. September 1969. Sie lagern im Archiv der Alltagskultur des Ludwig-Uhland-Instituts für Empirische Kulturwissenschaft. Die auditive Ethnografie zu den Hörbeispielen ist nachzulesen unter:

Karin Bürkert: Unerhörte Aufnahmen. Eine auditive Ethnografie der Detmolder Arbeitstagung der Deutschen Gesellschaft für Volkskunde 1969. In: Hande Birkalan-Gedik/ Friedemann Schmoll/Elisabeth Timm: Abschied vom Kanon. Detmold, September 1969. Ein internationaler Rückblick auf die Deutsche Volkskunde in der Diskussion. Münster 2021, S. xxx-xxx.

Hier geht es zum Tagesprogramm von damals:

1) Debatte um Tonbandaufnahme

Transkript: Bd. 1b, Minute 12.15–13.37

Unbekannt: [Zwischenruf; weiter entfernt vom Aufnahmegerät] Verzeihung, ich hab eine Frage an die Diskussionsleitung: Wird die Diskussion offiziell mitgeschnitten oder wird die privat mitgeschnitten?

 

[Weibliche Stimme nahe des Mikros]: Privat.

 

Unbekannt: Es gibt ein Mikrofon, da wird die Diskussion aufgenommen. Normalerweise ist es üblich, dass die Herrn gefragt werden, ob sie, äh, damit einverstanden ( ) oder ( ) [Gemurmel im restlichen Publikum. Jemand klatscht]. Es ist jedoch nicht ( ) [Unruhe im Publikum, vereinzeltes Klatschen]. Meine ganz persönliche Meinung ist die, dass zuerst gefragt werden müsste, ob jemand ( )/

 

K.-S. Kramer: Ja, also//

 

Unbekannt: [fährt fort] ( ) dass sie dann auch aus dem Zusammenhang gerissen (Antworten umgedreht) meine Damen und Herrn, ähm /

 

K.-S. Kramer: Äh, ich bin dankbar für den Hinweis. Ich ha:be also das nicht bemerkt, dass ( ) /

 

Narr: [aus der Nähe des Aufnahmegeräts] Es wird mitgeschnitten hier.

 

Weibliche Stimme: Aufgenommen, ja.

 

[verschiedene Stimmen sprechen durcheinander]

 

Unbekannt: Ich wollte bloß, äh, bemerken (auf) Widerrede, ich meine, jeder, der hier mal spricht //

 

[verschiedene Stimmen sprechen durcheinander]

 

Unbekannt: Es ist einfach eine Frage des Anstandes //

 

[Unruhe; vereinzeltes Klatschen] #00:13:21-0#

 

Jemand ruft: Ordnung!

2) Eröffnungsrede Teil 1

Transkript: Bd. 1a, Minute 09:05-10:45

Mein herzlicher Dank gilt an dieser Stelle auch den Ministerien und den Institutionen, die die Arbeitstagung finanziell unterstützt, und damit einen wesentlichen Teil ihres Zustandekommens ermöglicht haben, und insbesondere auch dazu beigetragen haben, dass auch dieses Mal wieder Studenten der Volkskunde eingeladen werden konnten [lautes Stöhnen im Publikum]. Ja, freilich [schmunzelnd]. [Lachen in der Nähe des Aufnahmegeräts] Was ist das denn? [unverständliche Kommentare Nahe des Aufnahmegeräts] (.) [lautes Lachen im gesamten Publikum].

Unbekannter Tübinger 1 [nahe des Aufnahmegeräts]: Nur Schau, nur Schau.

3) Eröffnungsrede Teil 2

Transkript: Bd. 1a, Minute 14:26 – 15:27

Seit unsrer Würzburger Zusammenkunft 1967 ist die Deutsche Gesellschaft für Volkskunde immer wieder von Studenten und anderen volkskundlich Tätigen attackiert worden. (.) ihrem eigenen Unbehagen an der Situation des Faches, auch im Rahmen der Gesellschaft, mehr Raum zu geben. Ich habe solche Stimmen immer ernst genommen, [Lachen und Gemurmel im Publikum] und der Vorstand hat mehrfach darüber beraten. [zu den Lachenden gewandt, rechtfertigend] Freilich, und zwar dabei immer wieder im Sinne der Dahrendorf’schen Analyse, darauf hinzuweisen, dass eine wissenschaftliche Gesellschaft nur bedingt Mala:isen, in die Einzelne oder bestimmte Gruppen im Fachbereich hineingeraten, lösen könne. Sie hat keine karitativen und moralischen Aufgaben//

 

Einwurf [Utz Jeggle? nahe des Mikrofons]: „Aber wissenschaftliche.“

 

Heilfurth: Und es würde ein heilloses Fiasko [Gelächter und Gemurmel im Publikum]/ ein heilloses Fiasko geben, wollte sich unsere Gesellschaft solcher Rechte anmaßen.

4) Utz Jeggle und Günter Wiegelmann

Transkript: Bd. 2a, Minute 19.45–22.37

Wiegelmann: Ich muss auf diese Einwände oder eben direkten Fragen an mich antworten. Zunächst äh Herr Jeggle: Wenn äh sie sagen, (dass man sich) den Kanon als Orientierungshilfe äh anerkannt und damit dann weiter folgern, also will diese ( ) (Gesetzlichkeit) äh einfangen und dann diese Beispiele bringen, dann unterstellen Sie, ich würde an einem grotesken Kanon festhalten. Das ist eine Unterstellung, die ich nicht akzeptiere. Das gilt für mich nicht //

 

Jeggle: Sie sind halt bei der Volks(nahrung), ich mein die Leute  hätten ( ) (Volksnahrung), (aber das rächt sich). Das (sollte) ( ) //

 

[Stimmen reden durcheinander]

 

Wiegelmann: Herr Jeggle, erläutern sie bitte (dieses)//

 

Unbekannt: Also Herr Jeggle hat gesagt/

 

Wiegelmann: ( ) erläutern äh am Beispiel Volksnahrung, (sollte) es ja nicht zur Volksnahrung, sondern auch (was recht ist). Erläutern Sie ( )

 

[Lachen im Publikum]

 

Jeggle: ( ) erfolgt, soll heißen, was sie meinen, wobei//

 

Wiegelmann: Sie, sie beziehen sich auf meine Arbeit ja?

 

Jeggle: Ja ich mein, (so haben Sie es ja gewünscht), was ( ) Äh soll bloß heißen, polemisch zugespitzt, dass die Volkskundler nicht die gesamte Wirklichkeit, auch mit so einem, von mir aus auch guten Buch wie vom Herrn Wiegelmann, erfassen kann. [Unruhe] Dass bestimmte Teile, die tradiert sind, der schö:ne Kaffee und so weiter, wie das alles zu uns kommt, sehr interessant, aber es fehlt eben, dass man heute Hawaiitoast oder irgendsowas isst, soll bloß das heißen: Wirklichkeit kann mit dem, Volksnahrung und da hat Herr Narr und Herr Kramer vorhin Recht gehabt, dahinter steht der Begriff ‚Volk‘, der das Ganze schief macht.

 

Wiegelmann: Darf ich jetzt eins sagen? Sie sagen immer, wenn hier Einwände kommen, äh das sind Abwehrmechanismen, die ja an dem vorbeizielen, was ich gesagt habe. Wenn ich// ich habe in meinem Buch gan:z klar in der Einleitung gesagt, wenn sie die gelesen haben, was das Ziel des Buches ist. Dass ich historisch arbeiten wollte, denn die, die Möglichkeiten des Analogieschlusses, all diese Dinge. Den Hawaiitoast habe ich jetzt mit Studenten in Innovationsuntersuchungen in Dortmund ( ) in Dortmunder Untersuchungen untersucht. Sie können mir doch jetzt nicht vorwerfen, in einem Buch, ja einverstanden?//

 

[Unruhe und verschiedene Stimmen durcheinander; Kommentar in der Nähe des Aufnahmegeräts: (Der) bleibt aber beim Volk.]

 

Wiegelmann: Äh dann haben Sie gesagt, (Wirklichkeit/ ) ich hoffe ich habe das richtig mitgeschrieben, ich hätte/wäre der Meinung, Wirklichkeit kann nur mit Kategorien erkannt werden, die aus der Wirklichkeit geschöpft werden. (-) (Es ist) für mich hier ( ) Frage ein Missverständnis, Herr Jeggle, ich ( ) das richtig mitgeschrieben.

 

Jeggle: Aber das habe ich gesagt.

 

Wiegelmann: Ja sie. Ja ja. ( ) [Verschiedene Stimmen durcheinander]

 

Frahm: Achso, ne das hat er gesagt// ( ). Er sagt, man kann Wirklichkeit nur beschreiben mit Kategorien, die aus der Wirklichkeit//

Wiegelmann: Ach das ist ihre Meinung?

 

Frahm: Das ist seine Meinung, ich mein deswegen// [Unruhe und Stimmen durcheinander]

 

Wiegelmann: Aber es war ja nicht meine Idee// [Einzelnes Klatschen] ( ) eigentlich in dem Sinne//

5) Referat Heilfurth

Transkript: Bd. 2b, Minute 24.16–24.36

Und fast noch schlimmer steht es mit den eigentlich ideologischen Husarenritten unserer Zeit, sie sind anmaßend, manipulativ und versteckt gehässig. [Unverständlicher Einwurf aus dem Publikum] Wenn sie sich soziologistisch gebärden. Und das Schlimme ist, dass sich dabei auch Frechheit [klopft kurz auf das Rednerpult] und Dummheit paaren. [Unruhe im Publikum]

6) Narrs Thesen Teil 1

Transkript: Bd. 2b, Minute 43.30–44.22

Narr [klingt zunächst fast resigniert, ruhig]: Mein Referat scheint überholt. Es kommen als Themen der Volkskunde neuerdings infrage: Aggression, Anpassung, Frustration, Regression, Progression, der ganze Pluralismus von Formen, die Frage „Was ist Pluralismus?“ spielt aber im Augenblick keine Rolle, aber es gibt eine scheinbare Überholtheit, und das Positive, Herr Heilfurth, wird negativ/negativ und zwar in der Art:

[hebt seine Stimme deutlich und wirkt sehr energisch/angreifend]: Sie entwerfen ein Konzept der Volkskunde, das es bisher (-) zu großen Teilen noch nicht gab, ohne auch – nur – in geringster Weise sich mit dem auseinanderzusetzen, was Volkskunde ist.

7) Narrs Thesen Teil 2

Transkript: Bd. 3a, Minute 0:40 – 2:30

Beginn: 00:40

  • Fachwerkhäuser, erfreuen das Auge/

 

Heilfurth: Da hab ich jetzt/

 

  • [Narr fährt unbeirrt fort]: wie man darin wohnt, fragt Volkskunde nicht.

 

[Lachen im Publikum, unverständliche Gespräche und Zwischenrufe/Aufruhr]

 

  • Die Alten auf dem Lande sind vortreffliche Gewährspersonen, wie sie leben, fragt Volkskunde nicht.
  • Bergleute, die in den Schacht fahren, erzählen schöne Sachen, was sie tun, wenn die Zeche geschlossen wird, wissen wir nicht.

 

[Unruhe und Lachen im Publikum] Mehrere unbekannte Stimmen rufen: Aufhören!

 

Diskussionsleitung: Bitte lassen Sie doch Herrn Narr aussprechen und warten Sie noch bis zur Diskussion hier.

 

[Narr fährt fort:]

  • Volksmedizin ist eine geheimnisvolle Sache, eine hohe Geburtensterblichkeit interessiert Volkskunde nicht.

Was hat diese Aufzählung zu bedeuten und welche Forderungen ergeben sich daraus?

Erstens: Kritische Wissenschaft muss von Problemen ausgehen.

Zweitens: Einzelprobleme müssen vor dem Hintergrund des gesamtgesellschaftlichen Zusammenhangs gesehen werden.

Drittens: Wissenschaft ist die maßgebliche Produktivkraft der heutigen Gesellschaft.

Ad 1: Traditionsforschung ist kein Problem. Sie ist das Hobby einer von der Gesellschaft dazu freigestellten Gruppe von Leuten, die sich als (Wetterglas) das Vergnügen machen, bunte Bilder zu sammeln, ohne zu fragen, ob diese Bilder Produkt der Unterdrückung sind.

 

[Aufruhr im Publikum beginnt lauter zu werden]

8) Reaktion Krins

Transkript: Bd. 3a, Minute 26:25 – 27:30

Franz Krins (Archivar aus Altena) [spricht ruhig, klingt aber beherrscht]: Ich äh, ich weiß nicht äh, wir müssen hier in Westfalen ja ein etwas merkwürdiges Land sein, wenn, was Sie da sachten, […] also, die schönen Fachwerkhäuser und kümmerten sich/ kümmerten uns nicht darum, wie man drin wohnte. Die entsprechende Dissertation, die werden Sie vermutlich nicht kennen, [leises Lachen im Publikum] ist vor ’39 bereits niedergeschrieben worden/

 

Zwischenruf aus dem Publikum: ’39?

 

Krins: ’39 bereits niedergeschrieben worden / die heißt „Haus und Wohnen in einer Dorfgemeinschaft“. Da finden Sie genau das, was Sie suchen.

 

Leise in der Nähe des Aufnahmegerätes: Oh ja.

 

Und was die Volksmedizin angeht, so verweise ich auf die Arbeit von Wilhelm Brepohl […]. Und was das bäuerliche Anerbenrecht mit seinen äh von Ihnen mit recht kritisierten Folgen angeht, verweise ich auf die Arbeit von Ich meine also, Sie sollten nicht so generalisieren, wenn Sie Dinge sehen, sondern Sie sollten auch sehen, dass es in der Volkskunde Bemühungen gegeben hat, die sich mit dem decken, was Sie fordern.

 

[Beständiges leises Gemurmel im Publikum]

9) Eröffnungsrede Teil 3

Transkript: Bd. 1a, Minute 29:43 – 30:30

„Meine Damen und Herrn, das Nachdenken ist immer eine schöne Sache. Und das Nachdenken kann befruchtet, aber auch frustriert werden durch die Diskussion. In summa eine schwierige und heikle Aufgabe angesichts der Größe dieses Plenums, aber auch deswegen grundsätzlich, weil der Geist, wie Jacob Burckhardt einmal drastisch gesagt hat, ‚ein Wühler ist‘. Das heißt eine ruhelose Kraft, die in das komplexe Erdreich des Gegebenen eindringt. [Unverständlicher Kommentar in der Nähe des Aufnahmegeräts] Aber wenn er nur wühlt wie eine Wildsau [Lachen im Publikum], kommt nicht viel dabei heraus.“

„Wen meinen Sie damit?“

10) Volks-Badewanne

Transkript: Bd. 1b, Minute 3:34 – 4:00

Lutz Röhrich: Aber ist nicht/ ist nicht Volk äh im Sinne dieses kollektiven Denkens eben hier nur Verbraucher ebenso wie, wie man den Namen Volkswagen oder von Volksaktien oder von Volksempfängern oder ich weiß nicht anderen ( ) von Volk äh oder volkstümlichen ( ) oder so etwas /

 

Unbekannter Zwischenruf (vermutlich Gottfried Korff): Volks-Badewanne.

 

Röhrich: Ja, äh äh /

11) Bausinger scherzt

Transkript: Bd. 4a, Minute 8:17 – 8:30

Hermann Bausinger: Meine Damen und Herrn, bei unserem Seminar für  Museumsfragen haben wir äh grundsätzlich jemand zum Diskussionsleiter gewählt, der nichts von der Sache versteht, damit er objektiv bleibt. In diesem Sinne danke ich für den Vertrauensbeweis.

 

[allgemeines Lachen im Publikum]

12) „Münsteraner Revoluzzer“

Transkript: Bd. 3a, Minute 15.47–20.11

Hermann Kaiser [an Heilfurth gerichtet, der bereits zuvor stehend auf an ihn gerichtete Fragen geantwortet hatte]: Sie können noch einen Moment oben bleiben.

 

[Lautes Gelächter im Publikum, Stimmen reden durcheinander]

 

Kaiser: ( ) Beitrag ( ) ergänzen. (Er) steht im Zusammenhang mit ihrer 1967, na, im Handbuch der Empirie herausgegebenen Arbeit […]. Jetzt hätte ich da ’ne Frage an Sie, und zwar, inwieweit in dem äh Buch, wo da gesch/also in dem Au/äh Aufsatz, Artikel wurde geschrieben, dass es zwei Dinge gibt, dass zwei Dinge sehr wesentlich sind, einmal der carnine Dom äh Komplex und einmal der domine Komplett äh Komplex. Ich weiß nicht, ob Sie ä:h, sich auch sofort dadrüber klar sind, um äh welch austauschbare Begriffe sich’s da handeln könnte und erst äh (-), wenn man sich dann öfter dieses Wort betrachtet, kommt man natürlich auf ne fatale Kombination von Blut und Boden, die auch bei ethnischen Agentien und auch bei Schwidetzky, der ja aus der Keit-Schule kommt, der ja nun (ahnt)/

 

[Unruhe im Publikum. Heilfurths Erwiderung ist unverständlich]

 

Zwischenruf Unbekannt: Das ist eine Frau!

 

Kaiser: die, ja selbstverständlich. Die ja aus der Keit-Schule kommt, von Keit ( )

 

Heilfurth: Keiter. Keiter[1]

 

Kaiser: Und Keiter ist ja nun Faschist als solcher gewesen.

 

Heilfurth: Ja ja, ja ja.

 

[Lachen im Publikum]

 

Kaiser: Dass da nun sehr große Verbindungen sind, und äh da hätte ich Sie jetzt gefragt, inwieweit Sie ethnische Agentien definieren wollen, wie breit, wie eng?

 

Heilfurth: Das kann ich Ihnen sagen. Ich habe mich äh, äh in dem Zusammenhang kla:r von der Formel Blut und Boden abgesetzt, wenn Sie das nachlesen würden/

 

Kaiser: Ja, das ist aber ne Übersetzung. #00:17:39-1#

 

Heilfurth: Ich habe mich (stark) äh dagegen abgesetzt, ich habe das Besagte nicht zur Hand zur Zeit und ( ) habe aber äh äh, wenn Sie das also noch nachlesen, wird Ihnen deutlich werden, was ich meine. Das also, und ich habe es heute ja wieder zu unterstreichen versucht [leichte Unruhe im Publikum], dass, äh der (Tierbereich) des Menschen einfach existent ist. Mit ihm müssen wir rechnen. Er ist nicht totzuschlagen. Er befindet sich äh sehr häufig im Widerstreit mit äh dem anderen Bereich des

Menschen, den man eben äh Geist nennt, und in diesem Widerspi:el vollzieht sich ja doch menschliche Existenz.

 

Kaiser: Selbstverständlich, nur die eine Schwierigkeit ist, grade wo Sie die biologische und beziehungsweise Humananthropologie mit hineinbeziehen, wie weit ist die Forschung auf diesem Gebiet fortgedrungen, dass wir eventuell deren Ergebnisse übernehmen können innerhalb eines Gesamtkomplex unserer Wissenschaft?

 

Heilfurth: Ich habe betont, dass da erst Ansätze da sind.

 

[…]

 

Kaiser: Selbstverständlich, und deswegen sollten wir das in unserem Fall vorläufig noch ganz weit hinausgestellt lassen. Und jetzt möchte ich, dass äh/

 

Heilfurth: Ich habe ja (nicht) betont, dass ich mich da nicht ( ),/

 

[Seufzen einer Frau im Publikum]

 

Heilfurth: Ich habe nur gesagt, wenn man den Menschen sieht (-) und äh sein Wesen analysiert, muss man diese Seiten mit sehen! /

 

Kaiser: Wir haben aber auch keine Mittel, diese Seiten zu sehen!

 

Heilfurth: Dann müssen sie/

 

Kaiser: Dann kommen wir natürlich wieder mit der Aufwärmung von Nation, dann kommen wir nicht mit der Aufwärmung von Nation, sondern von Rasse.

 

Heilfurth [seufzt resigniert]: Ach/

 

Kaiser: Und jetzt möchte ich an Sie, also quasi nicht an Sie, sondern an das Gesamtforum, äh einige Erläuterungen (angeben), über ein Konzept, was bei uns einigermaßen entwickelt worden ist.

 

Unbekannt: Was ist bei uns?

 

Kaiser: In Münster. Das ist diesmal nicht Tübingen [schmunzelnd gesagt]. [Unruhe, teils Gelächter im Publikum] Also in Münster entwickelt worden ist und innerhalb der Studentenzeit /

 

[verschiedene unverständliche Stimmen aus dem Publikum] ( ).

 

Heilfurth: Dann kann ich mich wieder setzen, ja?

 

[Lautes Gelächter und Klatschen im Publikum]

13) Weber-Kellermann

Transkript: Bd. 3b, Minute 09.02–14.54

Weber-Kellermann: Also ich find‘s schade, wie äh, diese Diskussion sich jetzt so entwickelt hat. Jetzt muss man immerzu sagen Herr Scharfe gehn Sie mal morgen hier ins Detmolder Museum, da können Sie ganz genau sehen wie Armut äh im im Vergleich zu Reichtum dargestellt ist, und man muss sagen Herr Narr lesen Sie mal mein Buch [Gelächter im Publikum] da könn‘ Sie das alles genau durchblättern, und man muss immer solche Antworten geben, und das finde ich eigentlich sehr scha:de, denn heute Morgen bei dem Referat von Herrn Scharfe, muss ich doch auch sagen waren sehr, sehr viele Ansätze die uns alle hier sehr nachdenklich hätten machen sollen, und auf dieser Ebene und auf diesem Niveau hätten wir eigentlich doch versuchen sollen weiterzudiskutieren, und ich möchte Sie eigentlich bitten, zu diesem Niveau zurückzukehren [Zwischenruf von Unbekannt: Nur uns oder?] Alle alle, uns alle. Ähm. äh ja ich ähm möchte ä auch Folgendes sagen: Herr Scharfe Sie haben, ähm gesagt, dass Sie in vielen Dingen sich, nicht wohlfühlen in der Volkskunde, äh das hat mich äh, betrübt gemacht und ich äh, zu ihren (Vorwürfen) muss ich Ihnen sagen, fühle mich auch nicht wohl in, vielen Dingen was mein Fach betrifft, und äh [Gemurmel und leises Gelächter im Publikum, worauf WK ebenfalls mit kurzem Lachen reagiert] und äh und ich äh würde also sagen, dass das eigentlich doch das Thema ist was uns nun, wo wir in einem solchen, kompetenten Kreis zusammen sind, also beschäftigen sollte. Also die Frage, des Kanons, darüber haben wir, wohl weitgehend, einen gewissen Konsensus erzielt dass der Kanon kein Selbstzweck sein kann, äh wie er nun im Einzelnen gehandhabt werden soll ob nun, als Mittel eines, zum Beispiel eines Instituts (bewusst) sich aufzustellen oder, es zu sonstigen Einteilungszwecken, wie Frau Bringemeier gesacht hat, das wäre im Einzelfall zu diskutieren. Wenn nun der Ka:non, äh also über diesen Kanon haben wir glaube ich, sind wir äh sind keine allzu großen Meinungsverschiedenheiten. Ähm vi:el ä wichtiger und für uns alle entscheidender ist ja aber die Frage, wo führt das alles hin? Wo führt der Weg der Volkskunde hin? Und hier, sind ja nun wirklich entscheidende Probleme, (auch in) Universitäten ist die Sektionierung jetzt im Gange, in welche Sektionen, gehört die Volkskunde? Ich bin selbst an diesen Sektionierungsarbeiten sehr beteiligt, und es hat da also große Probleme gegeben äh äh, das sind die Fragen die uns allen auf den Lippen äh [Einwurf aus dem Publikum: Nägeln brennen] auf den Lippen brennen und äh ähm, ich würde sagen also ich wär glücklich, wenn man mal über solche Probleme, sich hier in aller Offenheit austauschen könnte. Und hier, könnt sich eben äh eine Frage einfach auch mal provokativ und äh, stellen: Ist die Volkskunde als einzelnes Fach wirklich noch in Zukunft daseinsberechtigt? Das ist ja das was wir uns immerzu fragen müssen. Oder ist sie ein Fach, was sich tatsächlich zu integrieren hat in einem breiteren äh Bereich, wie wir‘s nun auch nennen wollen, also ( ) das hier, Sozialwissenschaften und, sagen wir mal Ethnosoziologie oder ähnliches, aber ich will, mal, hier den, verehrten ( ) widersprechen ich bin auch äh sehr für Kultur- und Sozialanthropologie plädieren, das äh, kann man alles diskutiern. Aber, wenn wir sowoh/ ist es überhaupt angebracht, so furchtbare Gedanken sich zu machen über eine starre/ wo die Grenzen liegen zur Soziologie und wo liegt die Grenze zur Völkerkunde und so weiter? Ist das überhaupt/ sind Gre:nzen ein Problem für uns? Das müssen wir hinterfragen. Für mich ist die Oder-Neiße-Grenze kein Problem warum soll die Grenze zur äh, Soziologie denn ein Problem sein? Für mich ist es kein Problem. Ich äh glaube dass äh, oder meine dass in Zukunft die Wissenschaften sich in einem viel, größeren Maße, überlappen werden, und dass man also, wohl bestimmte Themen, äh ä getrennt bearbeiten wird dass aber, der Gesamtbereich der Sozialwissenschaften, eine viel größere Nä:he, zueinander, äh suchen und auch finden muss. Also, ich würde vorschlagen dass man doch, über derartige Probleme, sich lieber unterhalten soll anstatt dass wir entweder, den Kampf der Geister über den Wassern fortsetzen oder, irgendwelche, Allgemeinplätze diskutieren, die äh, eigentlich witzlos sind hier zu diskutieren.

 

[Applaus]

 

Lutz: [sehr leise zu Beginn, weil das Mikro wieder leiser gestellt wurde] ( ) der Beitrag, zugleich bedeutet dass wir das The:ma dieser Diskussion wechseln sollten, denn das wäre ja doch ein neues Thema äh, das Thema dieses Nachmittags ist ja doch äh ( ) Überlegungen über das, was wir äls äh Wirklichkeit zum Gegenstand unserer wissenschaftlichen Beschäftigung machen sollten. Äh selbstverständlich ist das ein (ausschlaggebender Umstand dafür), wir (wir uns als Fach) begreifen müssen, das ist ja selbstverständlich dass das zusammenhängt. Aber ich glaube, entschuldigen Sie bitte, dass wir äh uns (damit vom Thema dieses) Nachmittags entfernen würden. Aber, ich bin natürlich gern bereit, wenn Sie solche äh, Überlegungen, an ihre, Beiträge zum (Nachmittagsthema) mitanhängen, denn das sind ja (sehr wichtige fortschrittliche Gedankengänge).

 

Unbekannt: Können wir mal Pause (machen)?

 

Lutz: Es wird eine Pause gewünscht, ( ) damit einverstanden?

 

[Klatschen, Klopfen und Unruhe im Publikum]

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