Ein Quartier im Umbruch

Die Bebauung von Freiburgs Sedanviertel und Im Grün begann vor etwa 150 Jahren, als die landwirtschaftlich genutzten Flächen vor der ehemaligen Festungsanlage zu Bauland wurden. Schon damals wirkten verschiedene Bedürfnisse einer wachsenden Stadt auf das entstehende Quartier ein. Seitdem ziehen sich widerstreitende Interessen, Brüche und gesellschaftliche Entwicklungen als GrundRisse durch die Geschichte eines Quartiers im Umbruch.

Stadtgeschichte verweist gerne auf das Gewordene. Oft treten dabei die Brüche und Risse des Werdens in den Hintergrund. Doch Städte sind nicht nur geplant, und Entwicklungen, die im Rückblick als logische Konsequenz erscheinen, waren oft umstritten und nur selten ohne zeitgenössische Alternativen. Ein Wechsel der Perspektive kann dies verdeutlichen: eine Stadt besteht aus Quartieren und diese wiederum aus Gebäuden, die für bestimmte Zwecke errichtet wurden. Im Laufe der Zeit wirken gesellschaftlicher Wandel, lokale Auseinandersetzungen und gewandelte Bedürfnisse auf die Gebäude ein, verändern sie oder schaffen Platz für Neues.

Ein kooperatives Ausstellungsprojekt des Grethergeländes, des Instituts für Kulturanthropologie und Europäische Ethnologie der Uni Freiburg und des Fachbereichs Gestaltung der Hochschule Offenburg zeichnet diesen Wandel an 15 Stationen im Quartier nach. Ausgehend von einzelnen Gebäuden und Arealen macht es dessen Entstehung und die vielfältigen Veränderungen in den vergangenen 150 Jahren sichtbar.

Stationen

Wohnraum für Adel, Bürgertum und Arbeiter*innen (grün), industrielle und handwerkliche Betriebe (rosa), repräsentative Bauten für Kultur und Bildung (blau) sowie Räume für alltägliches Vergnügen (gelb) prägten das Gebiet in unterschiedlicher Art und Weise. Entsprechend geben die Stationen Einblicke in Gründerzeit, Werkstätten, Industriebetriebe, Zwischennutzungen, Auseinandersetzungen um selbstbestimmte Freiräume, Verdrängungen sowie den Wandel zur Dienstleistungsgesellschaft. Dies wirft auch Fragen nach der Stadt von morgen auf. Denn so betrachtet, kann Stadtgeschichte dazu ermutigen, sich einzumischen und das Leben in den Stadtquartieren aktiv mitzugestalten.

  • Adlerstr. 19
  • Belfortstraße 17 und 52
  • Faulerstraße 3-5 und 8
  • Konrad-Adenauer-Platz 1
  • Moltkestraße 3 und 38/40
  • Platz der Universität 2
  • Schnewlinstraße 2 und 7
  • Wilhelmstraße 10, 15, 26 und 36

Eindrücke: Die Ausstellung im Stadtraum

Lehrkooperation, Vernetzung und Wissenstransfer

Vergangenheit und Gegenwart ausgewählter Gebäude wurden im Wintersemester 2019/20 von Studierenden des Freiburger Instituts für Kulturanthropologie und Europäische Ethnologie recherchiert. Aus den Ergebnissen erarbeiteten Bachelor-Studierende des Fachbereichs Gestaltung der Hochschule Offenburg im Sommersemester 2020 ein Gestaltungskonzept. Dabei werden die 15 Gebäude zu Exponaten im Stadtraum. Die Erläuterungen fallen entsprechend groß aus: auf Baugittern vor den Gebäuden erzählen sie von (Um-) Nutzungen, Abrissen, Neubauten und die sie begleitenden Auseinandersetzungen um die Gestaltung des Quartiers.

 

 

Leitung: Linda Kunath-Ünver (HS Offenburg) und Matthias Möller (Uni Freiburg)

Design: Luise Flick, Sonja Gäss, Jacqueline Linsenmeier, Nicole Noack (HS Offenburg)

Texte und Recherchen: Svenja Brendler, Anna Brosch, Lena Buß, Mostafa Daoud, Melanie Dippel, Medarde Doho, Katharina Glander, Konrad Gottschalk, Isabella Hesse, Bianca Hummel, Felizitas Juen, Tobias Jung, Miriam Kazmaier, Marco Krumm, Lea Künne, Ina Lukas, Matthias Möller, Annika Musial, Lisa van Rensen, Sophia Schütz, Julia Wagner, Adrian Weis, Uluka Zimba, Roukeya Zouwinaba (Uni Freiburg)
Thomas Hohner, Rosmarie von Pressentin (Grether Kultur)

Webauftritt: Melissa Fischer (Uni Freiburg)

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